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25.08.19 Sonntag: Polen an Bord und schneller wieder von Bord!

Ich habe einen der schönsten Sonnenaufgänge in meinem Leben erlebt und versucht zu fotografieren. Aber ich finde ein Bild kann das nicht so gut festhalten wie ich es erlebt habe.

Kurz nachdem die Sonne aufgegangen war, steckte auch Thomas den Kopf aus der Kajüte und reichte die Utensilien für das Frühstück. Es gab Brötchen, Käse, Salami in meinem Fall wie immer mit viel Senf. Und das Wichtigste, einen frischen Kaffee.

Thomas übernahm die nächste Wache und ich döste etwas in meiner Koje vor mich hin. Aber an schlafen war nicht zu denken. Wir machten bis kurz vor Mittag noch ein paar nm und dann war wieder Flaute. Was sollten wir tun? Warten auf Wind? Mit der Eisernen Genua direkten Kurs auf Kolberg nehmen? Wir entschieden uns die Eiserne Genua in Betrieb und direkten Kurs auf Kolberg zu nehmen. Wir ermittelten wie weit wir mit einer Tankfüllung kommen, um dann mit unseren Bezinreserven – schon ein lustiger Begriff für einen 5 Liter Kanister – kalkulieren zu können. Zum Glück haben wir Horscht gehabt, der die Pinne übernahm. Wir grillten uns bei schönstem Badewetter und unser einziges Problem war die Flaute.

Nach unseren Berechnungen reichte der Benzin bis Kolberg. Da sich die Windfahne während der ganzen Fahrt nicht bewegte, fuhren wir 1 Stunde nach Kolberg. Ich fand das langweilig und habe wieder mit Thomas philosophiert, was Motorbootfahrer daran finden – für mich ist das eine Qual. Thomas findet es schön – er ist nämlich tief in seinem Herzen Motorbootfahrer und kommt nur mir zuliebe mit segeln.

Vor der Hafeneinfahrt von Kolberg begegneten wir einem Wikingerschiff mit dem die Touris Erlebnisfahrten machen. Das wird in Polen sehr gut angenommen. Unter Motor mit lauter Diskomusik werden die Passagiere ca. 1 sm raus auf das offene Meer gefahren, man umrundet eine Boje und es geht zurück an die Kaimauer. Das muss ein riesiger Spass sein. Mit unserem kleinen Boot waren wir für die Touristen und den Kaptain ein beliebtes Fotomotiv. Wir fuhren an ein paar großen Frachtern vorbei Richtung Marina. An einer Art Kreisverkehr mussten wir uns Backbord halten und dann waren wir auch schon in der Marina. In einem Teil des Hafens war es so flach, dass sogar die Untiefentonne auf dem Wasser lag.

Wir legten auf der Seite für die Gastlieger an und begaben uns in Richtung Hafenmeisterei. Wieder das selbe Spiel. Wie groß ist euer Boot? Und ihr kommt aus dem Hafen über die Ostsee? Um nochmal ganz sicher zu gehen, dass ich bei der Bootslänge nicht eine 1 vergessen habe vor den 5,30m Länge, kam der Hafenmeister gleich noch mit ans Boot. Unterwegs erklärte er uns, wie wir in das Sanitärgebäude kommen, die Duschen funktionieren, wie wir Wasser holen können und der Strom am Steg freigeschalten wird. Die Besatzungen der deutschen Boote schauten nur komisch und waren nicht so gesprächig. Einem Berliner halfen wir den Gennaker an seiner Hallberg Rassy anzuschlagen. Da er alleine war, boten wir uns für den nächsten Tag an mit ihm einen Probeschlag zu machen um den Gennaker zu testen. Er lehnte ab. Zurück auf Else wollten wir uns stadtfein machen, uns Kolberg ansehen und ein Getränk auf unsere Reise trinken. In meiner charmanten Art habe ich Thomas gesagt, dass er die erste Runde bezahlt als Entschuldigung dafür, dass ich die ganze Nachtwache alleine gehalten habe. Die Art und Weise war nicht in Ordnung von mir, aber Thomas hat es zum Glück sportlich genommen. Danke, dass du meine Unarten erträgst und nicht alles auf die Goldwaage legst. 

Den Aufbruch in die Stadt oder besser gesagt zur Promenade mussten wir verschieben, da sich unsere polnischen Nachbarn für unser Boot und unsere Reise interessierten. Sie besuchten uns an Born und brachten eine Packung Bier mit. Alle 6 Mann nahmen achtern im Cockpit platz. Horscht haben wir abgenommen und in der Backskiste verstaut. So hatte man genügend Platz zum sitzen. Doch die Geselligkeit stellte sich nicht ein, denn je mehr Segler an Bord kamen und achtern Platz nahmen – desto tiefer sank das Heck von Else ins Wasser. Dies hatte zur Folge, dass das Wasser durch die Lenzer ins Copit strömte. Panik machte sich unter unseren Gästen breit und es sah für mich so aus, als würde einer von ihnen in einem Satz aus dem Boot auf den Steg springen. Dank Thomas seiner Fähigkeiten und einem Übersetzungsprogramm konnten wir uns verständigen und erklärten so die Funktion des Bootes, Details zu unserer Reise und unsere Ziele. Sie erklärten uns das sie 1 Woche segeln wollten und am liebsten Richtung Klaipeda. Doch da sich die Bedingungen nicht ändern sollten die nächsten Tage empfahlen wir, eher Kurs auf Bornholm zu nehmen um mit einem halben Wind etwas mehr Fahrt zu machen.

Rainer mit Bier

Dann machten wir uns auf Richtung Standpromenade und ich bekam ein Bier, einfach lecker und Thomas einen Palatschinken. Wir genossen das schöne Wetter, das Getümmel am Strand und der Promenade. 

Thomas Palatschinken

Dann sind wir zurück zum Boot, wo wieder Interessenten Else belagerten. Unsere Nachbarn haben uns ihren Langkieler mit Mittelcockpit, Besan und einer sehr großen Achterkajüte gezeigt. Aber die waren alle schon so betrunken, dass eine ernsthafte Kommunikation über den Übersetzer nicht mehr möglich war. So schnappten wir uns die Bordkasse und machten uns auf in das bunte Abendtreiben von Kolberg. 

63,2 NM

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